Wer war St. Nikolaus

 

 

Nikolaus
Heiliger, Bischof von Myra

 Der Hl. Nikolaus
 Nikolaus war Bischof von Myra in Lykien
(heute Ruinen bei Dembre am Mittelländischen Meer,
70 km südwestl. von Antalya, südl. Kleinasien).
Historisch belegbare bzw. glaubhafte Nachrichten über ihn
sind folgende:
Sein Vater Euphemius war ein reicher, dabei sehr frommer
und wohltätiger Mann, seine Mutter hieß Anna.
Sein Onkel Nikolaus (d. Ä.), Bischof von Myra,
weihte ihn zum Priester.
Um diese Zeit verlor er seine Eltern in einer Pestepidemie und
verteilte
daraufhin sein ganzes ererbtes Vermögen unter die
Armen.
 

 Kirche in Demre (heute Kale)

Der geistliche Onkel baute ein Kloster und setzte Nikolaus
zum Abt desselben ein.
Nach dem Tod seines Onkels pilgerte
Nikolaus ins Hl. Land.
Nach seiner Rückkehr wurde er vom
Volk als neuer Bischof ausgerufen.
In der letzten Verfolgung
unter Kaiser Galerius (um 310) wurde er eingekerkert und
mußte viel leiden,
weshalb er den Beinamen "Bekenner"
erhielt.
Auf dem Konzil von
Nicäa (325) verteidigte er mit
vielen anderen Bischöfen die
Wesensgleichheit
der 3 göttlichen Personen. Nach dem Zeugnis
der alten Quellen war er auf diesem Konzil einer jener Bischöfe,

die die Spuren der Mißhandlungen in den Kerkern der
Christenverfolger an ihrem Leib trugen.
Er starb im Alter v
on 65 Jahren an einem Freitag, den 6. 12. 343/ 350, nach
anderen 345/52
(die Jahre, in denen der 6. Dezember auf einen
Freitag fiel, waren 345 und 351,

sodaß diese beiden Jahre für seinen Tod in Frage kommen).

 

Sein Kult ist in Myra und Konstantinopel seit dem 6. Jh.
nachzuweisen.
Von dort verbreitete er sich in der ganzen
griechischen Kirche, später auch in die slawischen Länder.

Besonders in Rußland wurde er ungemein beliebt.
Neben anderen Berufen erkoren sich ihn die Bauern, Bierbrauer
und die Hersteller von Schnäpsen
zu ihrem Patron.
Das russische Wort für "sich betrinken" heißt noch heute
"nikolitjsja".
 

Nikolaus ist seit alter Zeit Patron des russischen Volkes.
Im 9. Jh. drang seine Verehrung auch nach Unteritalien und Rom.
Im 10. Jh. förderte die aus Byzanz stammende dt. Kaiserin
Theophanu († 991),

die Gemahlin Ottos II. († 983), seine Verehrung in Deutschland.
Seit dem 11. Jh. wird Nikolaus auch in Frankreich und England
verehrt,

vor allem durch die Normannen. Seit der Translation seiner
Gebeine von Myra nach Bari (Unteritalien) am 9. 5. 1087 breitete sich

sein Kult im ganzen Abendland aus und erreichte im
Spätmittelalter eine Hochblüte.
Seit dieser Zeit zählt er zu den 
Vierzehn Nothelfern
und wurde Patron unzähliger Kirchen,
Bruderschaften, Berufe
und Stände.
Von Bari kamen u. a. Reliquien in die Kathedrale
St-Nicolas in Fribourg (Schweiz),
(gotischer Umbau der
Kathedrale im 14./15. Jh.).
Ein Fingerglied wurde nach
St-Nicolas-de-Port bei Nancy (Lothringen) übertragen,

wo besonders im 15./17. Jh. die dortige Wallfahrt berühmt war.

 

Um den hl. Nikolaus rankt sich ein ungemein reicher Kranz von
Legenden.
Diese gehen auf einen griechischen Kern zurück
und statten den Heiligen mit Zügen aus,
die nachweislich zum
Teil anderen (auch gleichnamigen) Persönlichkeiten des 6. Jh.s
entlehnt sind.
So sehr derartige phantastische
Wundergeschichten alles andere denn ein "richtiges" Bild
im
Sinn moderner Geschichtsschreibung bieten, so sind sie
dennoch reizvoll und lassen die Größe
dieses Mannes erahnen,
die dieser kontinentweiten
Verehrung zugrundeliegt.
Zudem ist ihre Kenntnis für die
Deutung der Darstellungoen des Heiligen sowie der zahlreichen

Patronate von Nutzen:
In Konstantinopel, so sagt eine dieser Legenden, wurden
einmal 3 Offiziere bei Kaiser Konstantin

unschuldig des Hochverrates angeklagt. Sie wurden in einen
Turm gesperrt und warteten dort
auf ihren Henker. Da riefen sie
zu Gott, er möge ihnen den hl. Nikolaus zu Hilfe senden.

Dieser erschien dem Kaiser im Traum und drohte ihm mit der
Rache Gottes,
sollte er das Urteil vollstrekken lassen. Daraufhin
ließ der Kaiser die 3 Unschuldigen frei.

Deshalb wurde Nikolaus zum Helfer gegen irrige Urteile und
zum Patron der Richter,
Advokaten und Notare.

 

Diese Geschichte erfuhr später im Abendland (evtl. in
Nordfrankreich) eine makabre Veränderung:

Drei Schüler kehrten einst bei einem Wirt ein. Dieser war aber
ein verbrecherischer Mann.
Er schlachtete seine Gäste und
pökelte sie ein, als wären sie Schweinefleisch.
Da erschien
St. Nikolaus, erteilte dem Wirt eine gehörige Lektion und
erweckte die 3 Schüler

zum Leben.
Offenbar wurde der Kerkerturm auf den alten Abbildungen
als Pökelfaß mißverstanden.
So sieht man seit dem Mittelalter
St. Nikolaus häufig mit einem Faß dargestellt in dem 3 Knaben

sitzen. Die Geschichte mit den geschlachteten Schülern wurde
im Mittelalter auch in dramatisch
ausgeweiteten Spielen
szenisch dargestellt.
In einem französischen Kinderlied sind
aus den 3 Schülern 3 kleine Knaben geworden.
So wurde
Nikolaus Patron der Schüler, Kinder, Chorknaben (Ministranten),
Pilger und Reisenden,

der Wirte, Metzger und Faßbinder.

 


Grab von St. Nikolaus

Eine andere Legende rühmt die Wohltätigkeit dieses Heiligen:
Ein verarmter Edelmann wollte seine 3 Töchter verheiraten,
hatte aber kein Geld für ihre Mitgift.
Da schickte er sie in ein
öffentliches Haus, damit sie dort mit ihrem Dirnenlohn die
nötige Aussteuer
verdienten. Nikolaus hörte davon und warf in
3 Nächten je einen Beutel mit Goldstücken durch das Fenster

der Jungfrauen. Dadurch war die Not behoben und die
Töchter konnten ehrbar verehelicht werden.

So wurde Nikolaus zum Patron für günstige Heirat bzw.
der Mädchen, die einen Bräutigam suchen.
Wegen der
Brautaussteuer wurde er auch Patron der Tuchhändler,
Bandmacher, Knopfmacher,
Leinenweber, Spitzenhändler
und Tuchscherer.

 

Aus dieser Geschichte wie auch der von den geschlachteten
Schülern entstand an den kirchlichen
Schulen des 13. Jh.s
der Nikolaus-Brauch:
Ein bärtiger "Nikolaus" kehrt am Vorabend
des 6. Dezember bei den Kindern ein,
hält mit ihnen eine
gehörige Gewissenserforschung und beschenkt sie mit
nahrhaften Dingen.
Später verbanden sich mit dem Brauch
germanische Natur-Mythen (Krampus, Ganggerl,
Knecht
Ruprecht) und szenische Spiele, die im Lauf der Zeit zu
allerlei Volks- und Burschenbrauch
ausarteten
(Lärmumzüge, Erschrecken von Kindern u. ä.).

 

In der Mitte des 19. Jh.s trat erstmals in Norddeutschland an
die Stelle des Nikolaus der sogenannte
Weihnachtsmann, ein
weißbärtiger Mann mit pelzbesetztem rotem Mantel und roter
Pelzmütze,
der mit seinem Gabensack die Kinder besucht.
In den angelsächsischen Ländern entspricht ihm der Santa
Claus oder Father Christmas,
in Frankreich der Père Noel, i
n Schweden der Juletomte, in den slawischen Ländern
Väterchen Frost
(russ. ded moroz).
Der Weihnachtsmann ist ein typisches Beispiel der
Sinnentleerung alter religiöser Bräuche
in einem
säkularisierten Zeitalter.

 

Eine andere Legende, ebenfalls griechischen Ursprungs,
rühmt seine Wundermacht in größter Not.
Einmal geriet ein
Schiff in Seenot. Da riefen die Schiffsleute den hl. Nikolaus an.

Er erschien und half ihnen an den Segeln und Tauen.
Sogleich hörte der Sturm auf und das Meer beruhigte sich.
Die Geschichte ist eine deutliche Anspielung auf die Stillung
des Seesturmes in den Evangelien
(Mk 4,35-41 par.). Es
wundert nicht, daß sich die normannischen Seefahrer des
11 Jh.s
dadurch besser angesprochen fühlten.So wurde
Nikolaus Patron der Seeleute, Fährleute, Flößer, Fischhändler,
der Pilger und Reisenden.

 

Auch sein Kampf mit dem Teufel des Unglaubens (Arianismus)
und Heidentums fand seinen
legendenhaften Ausdruck:
Die Göttin Diana war verärgert, weil ein ihr geweihter Baum
gefällt worden war.
Da erschien sie Reisenden, die auf der
Fahrt zu Bischof Nikolaus waren, in Gestalt einer Nonne

und übergab ihnen als Geschenk für ihn ein gefährliches Öl.
Nikolaus durchschaute sofort die List und warf das Gefäß Mit
dem Öl ins Meer,
worauf das Öl und selbst die Wogen
lichterloh zu brennen an fingen.
Seitdem ist Nikolaus Patron der
Spezereikaufleute, Parfümeriehändler und Apotheker;
auch aus
dem Grund, daß aus der Reliquienkapsel in Bari ein
wohlriechendes und wundertätiges Öl geflossen sein soll.

 

Noch andere Wundergeschichten erzähl man sich über den
hl. Nikolaus:
Ein Jude stellte einmal ein Bild des hl. Nikolaus
vor seine Geldkammer, um sie gegen Diebstahl
abzusichern.
Das Geld wurde dennoch gestohlen. Da schlug der Jude aus
Zorn das Bild in Stücke.
Der Heilige erschien noch in derselben
Nacht den Dieben und zwang sie dem Juden
sein Geld
zurückzugeben.
So wurde Nikolaus Patron zum Wiedererlangen
gestohlener Dinge und Schützer des Eigentums.



 Einmal kam ein Kind in die Gefangenschaft eines heidnischen
Königs.
Als dieser den hl. Nikolaus lästerte, erschien dieser,
packte das Kind an den Haaren
und brachte es durch die Lüfte
seinen Eltern zurück.

Deshalb wird Nikolaus als Patron für die Befreiung
Gefangener verehrt.

 

Die Stadt Myra rettete er vor Hungersnot.
Daher rufen ihn die Bäcker, Müller, Samenhändler, Kornhändler,
die Kaufleute und Krämer

als Patron an.

 

Während seiner ersten Messe als neugeweihter Bischof habe
sich das Kind einer Frau
am häuslichen Herd zu Tode gebrannt,
Nikolaus habe es wieder lebendig gemacht.
Seither verehren
ihn die Feuerwehrleute als ihren Patron.
Bereits am Tag seiner
Geburt sei er aufrecht in der Badewanne gestanden,

als Säugling habe er in der Fastenzeit nur zweimal täglich an
der Mutterbrust getrunken,
als Kind habe er in Ermangelung
einer Geldspende eine gelähmte Frau geheilt,
während der
Messe habe sein Gesicht in himmlischer Andacht gestrahlt u. a.

 

Liturgie: am 6. Dezember; Lausanne-Geneve-Fribourg:
Übertragung der Gebeine in die Kathedrale zu Fribourg: 9. Mai

 

Patron: a)
(die schon oben genannten Patronate:) der Advokaten,
Apotheker, Bandmacher, Bauern, Bierbrauer,
Chorknaben
(Ministranten), Fährleute, Faßbinder, Feuerwehrleute, Fischer,
Fischhändler, Flößer,
Gefangenen, Jungfrauen, Kinder,
Knopfmacher, Leinenweber, Metzger, Notare,
Parfümeriehändler,
Pilger, Reisenden, Richter, Schnapsbrenner,
Schüler, davon der Rechen- u. Schreiblehrer;
der Schiffer,
Seeleute, Spezereikaufleute, Spitzenhändler, Tuchhändier,
Tuchscherer, Weber,

Wirte und Weinhändler.

 

b) (ohne ersichtlichen Grund:) der Kerzenzieher,
Steinbrucharbeiter, Steinmetze.

 

Darstellungen:
als hagerer Bischof mit weißem Bart, trägt das Evangelienbuch,
darauf 3 goldene Kugeln
(Jungfrauenlegende bzw. weil er auf
dem Konzil von Nicäa die Wesensgleichheit
der 3 göttlichen
Personen verteidigte)
bzw. 3 Brote oder Steine (Rettung der
Stadt Myra vor der Hungersnot).
Mit 3 aus einem Bottich
steigenden Knaben (Schülerlegende).
Mit Anker und Schiff
(Rettung der Seeleute)